Pflegestärkungsgesetz, Begutachtungsinstrument und Pflegegrade...

Robert Reschke
… Begriffe, die in den letzten Wochen oft zu lesen und zu hören waren. Seit Januar 2017 ist die neue Reform in Kraft getreten. Doch was bedeutet das?

Vor dem Hintergrund der künftigen Rentenlücke, niedriger Zinserträge und des steigenden Pflegerisikos war es mehr als notwendig, die gesetzliche Pflegeversicherung zu überarbeiten. Denn nicht nur die Anzahl der Pflegebedürftigen erhöht sich kontinuierlich, sondern auch die Ursachen der Pflegebedürftigkeit ändern sich. So bezogen im Jahr 2015 bereits knapp 2,7 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung (Quelle: BMG: Zahlen und Fakten zur Pflegeversicherung, Stand 08.09.2016). Und zu den derzeit 1,5 Millionen an Demenz erkrankten Menschen kommen jährlich 40.000 Neuerkrankungen hinzu. Die geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen nehmen immer mehr zu.
Neues Begutachtungsverfahren
Das ab 2017 gültige Begutachtungsverfahren betrachtet nun die individuelle Lebenssituation und Pflegebedürftigkeit der Antragssteller umfassender. Körperlich sowie geistig und seelisch bedingte Pflege wird künftig gleichrangig in der Begutachtung berücksichtigt. Damit sollen insbesondere Menschen mit Demenz und anderen geistigen und psychischen Beeinträchtigungen besser gestellt werden.

Bislang ging es vordergründig um die Erfassung des Hilfebedarfs in Minuten. Nun steht das Maß der Selbstständigkeit im Fokus. Es fließen verschiedene Bereiche, wie Mobilität, Kommunikation, Selbstversorgung und soziale Kontakte in das Bewertungsmuster ein.
Pflegegrade statt Pflegestufen
Die bisherigen drei Pflegestufen sowie die Pflegestufe 0 werden durch fünf Pflegegrade abgelöst. Die Zuordnung zu den Pflegegraden erfolgt durch ein Punktesystem. Das eröffnet etwa 500.000 Menschen den Zugang zu Leistungen aus der Pflegekasse. Alle, die bisher schon eine Pflegestufe haben oder bei denen bereits eine erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt wurde, werden automatisch in einen der neuen Pflegegrade übergeleitet. Es muss also kein neuer Antrag auf Begutachtung gestellt werden.

Pflegegrade statt Pflegestufen
Mehr Leistungen, mehr Geld
Durch die Pflegereform werden künftig passgenaue Hilfen bereitgestellt, die dazu dienen sollen, die Selbständigkeit und die Fähigkeiten Pflegebedürftiger zu erhalten und zu stärken. So kann zum Beispiel künftig jeder Pflegebedürftige in voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen in den Genuss zusätzlicher Betreuungsangebote kommen, denn jede stationäre Pflegeeinrichtung muss mit den Pflegekassen entsprechende Vereinbarungen schließen und zusätzlichen Betreuungskräfte einstellen.

In der ambulanten Pflege wird sich das Leistungsspektrum der Pflegedienste erweitern. Diese müssen ab 2017 neben körperbezogenen Pflegemaßnahmen und Hilfen zur Haushaltsführung auch Betreuungsmaßnahmen anbieten. Gleichzeitig werden in den einzelnen Pflegegraden mehr Geldleistungen zur Verfügung gestellt.
Finanzierung
Diese verbesserten Maßnahmen kosten. Deshalb wird der Beitragssatz der Pflegeversicherung zum 1. Januar 2017 noch einmal um 0,2 Prozentpunkte angehoben, wodurch dann insgesamt etwa fünf Milliarden Euro jährlich mehr für Pflegeleistungen zur Verfügung stehen.
Private Pflegerentenversicherung – sinnvoll und notwendig
Die obligatorische Pflegeversicherung – ob gesetzlich oder privat abgesichert – ist jedoch von Beginn an nicht auf volle Kostendeckung ausgelegt. Die Pflegeversicherung zahlt grundsätzlich nur Zuschüsse zu den tatsächlich anfallenden Pflegekosten. Das heißt, tritt ein Pflegefall ein, muss der Betroffene trotz Pflegereform mit erheblichen finanziellen Belastungen rechnen.
Beratung
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Ihr
Robert Reschke
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